Das alternde Argentinien vor der Mammutaufgabe Titelverteidigung bei der WM 2026
Lionel Scalonis Bilanz als argentinischer Nationaltrainer ist schlichtweg makellos: Drei Turniere, drei gewonnene Titel! Der historische Triumph bei der Weltmeisterschaft 2022 eingerahmt von zwei aufeinanderfolgenden Copa-América-Siegen (2021 und 2024) – für einen Trainer in seiner ersten Amtszeit ist das absolut beispiellos.
Doch die Titelverteidigung im Jahr 2026 wird eine ganz andere Nummer. Zwei Weltmeisterschaften in Folge zu gewinnen, gelang in der Geschichte erst zwei Nationen: Italien (1934 und 1938) und Brasilien unter der Führung eines blutjungen Pelé (1958 und 1962). In der modernen Fußball-Ära hingegen war der „Fluch des Weltmeisters“ gnadenlos: Frankreich (2002), Italien (2010), Spanien (2014) und Deutschland (2018) scheiterten alle kläglich in der Vorrunde.
Zwar dürfte Argentinien dank des neuen Formats mit 48 Mannschaften und einer gnädigen Auslosung dieses frühe Schicksal erspart bleiben, doch um Lionel Messi den perfekten Abschied zu bescheren, muss Scaloni womöglich mitten im Turnier den harten Übergang zur nächsten Generation einleiten.
Vertraute Gesichter – Aber das Alter drückt
Die „Albiceleste“ reiste in ihr Trainingslager nach Kansas City mit fast exakt derselben Truppe, die vor dreieinhalb Jahren in Katar den Goldpokal stemmte. Siebzehn der 26 Spieler waren schon 2022 dabei. Von der legendären Final-Elf gegen Frankreich fehlt lediglich Ángel Di María, der nach der Copa América 2024 seine Nationalmannschaftskarriere beendete.
Diese Kontinuität schweißte das Team zu einer brüderlichen Einheit zusammen, birgt nun aber eine riesige Gefahr: Das Überaltern. Neun Schlüsselspieler haben die 30 bereits überschritten, darunter Rückhalt Emiliano Martínez, Mittelfeld-Motor Rodrigo De Paul und Superstar Lionel Messi selbst, der während dieser Weltmeisterschaft – seiner rekordverdächtigen sechsten – 39 Jahre alt wird. Auf der anderen Seite sind mit Giuliano Simeone, Valentin Barco und Nico Paz nur drei Spieler im Kader jünger als 25 Jahre.
Zu viele Kilometer in den Beinen?
Das Durchschnittsalter von über 29 Jahren ist nicht das einzige Problem. Die Belastung der letzten Jahre war unbarmherzig. Seit Beginn der Saison 2024/25 haben Mittelfeld-Star Enzo Fernández und Stürmer Julián Álvarez jeweils unfassbare 121 Spiele für Verein und Land absolviert! Kein Wunder, dass Álvarez zuletzt bei Atlético Madrid wegen Knöchelproblemen geschont werden musste.
Besonders dramatisch ist die Situation bei Alexis Mac Allister. Der Liverpool-Star spürt die 119 Einsätze aus den letzten zwei Spielzeiten deutlich und steckt in einem tiefen Formtief. Obwohl er im anstehenden Eröffnungsspiel gegen Algerien wohl in der Startelf stehen wird, ist sein Akku sichtlich leer.
Wenn Scaloni den Traum vom erneuten WM-Gold am Leben erhalten will, muss er mutig sein – und rechtzeitig frisches, junges Blut bringen.
